Mikroplastik ist bereits in Menschen, Tieren

und in Lebensmitteln nachgewiesen.

Autor: Dr. med. Andreas Wasylewski

Weltweit werden pro Jahr rund 300 Millionen Tonnen Kunststoffe hergestellt ( Stand 2013). Es ist davon auszugehen, dass bis zu 30 Millionen Tonnen davon pro Jahr weltweit im Meer landen – davon in Europa allein 3,4 bis5,7 Millionen Tonnen (Quelle Bundesumweltamt BUA). Plastik verschwindet jedoch nicht, es baut sich auch nicht ab, sondern es wird in kleine Teile zerrieben, zerkleinert: In Mikroplastik. Die mengenmäßig bedeutsamste Quelle für Mikroplastik im Meer ist die Zersetzung

größerer Plastikteile – von der Plastiktüte bis zum Fischernetz. Gelangen sie ins Meer, werden diese Teile durch Wind, Wetter und Gezeiten zu sogenanntem sekundärem Mikroplastik zermahlen und zerkleinert.

Bei Mikroplastik handelt es sich um Plastik-Teilchen, die kleiner als 5 Millimeter sind. Viele Meerestiere verwechseln deshalb Mikroplastikteilchen mit Nahrung. Im nordwestlichen Mittelmeer findet man heute schon bei 50% Planktontierchen Mikroplastik.

Fische, Muscheln oder Garnelen nehmen diese Partikel direkt oder als Plastik in Plankton auf. An einigen Stellen in den Weltmeeren gibt es bereits sechzigmal so viel Plastik wie Plankton. Sogar in der Arktis und in der Antarktis und auch in

der Tiefsee hat man schon Mikroplastikteilchen gefunden.

Mikroplastik wird auch in Form kleinster Plastikpartikel in Kosmetik- und Reinigungsmittel wie Peelings oder Scheuermilch zugegeben. Auch beim Waschen von Bekleidung, die aus Kunststoffen gefertigt wird, lösen sich kleine Partikel, die dann

über das Abwasser ins Meer schwimmen. Häufig verwendete Kunststoffe, wie Polyethylen, zeichnen sich durch geringe Dichte aus und treiben an der Meeresoberfläche. So sind sie automatisch eine Gefahr für Seevögel und Meerestiere.

Laut Umweltschutzorganisationen sterben jährlich bis zu 1 Million Seevögel und 100.000 Meeressäuger durch den Konsum unserer weggeworfenen Kunststoffe.

Mikroplastik hat auch fatale Auswirkungen für uns Menschen. Denn schon heute ist Mikroplastik auch im Trinkwasser oder in Lebensmitteln wie z.B. Honig und Milch zu finden. Aber auch andere Agrarprodukte sind schon mit Nanoteilchen von Kunststoffen belastet, die die Blut-Hirn-Schranke überwinden und sogar über die Plazenta in den Blutkreislauf von Embryonen gelangen können.

Professor Ted Henry von der Heriot-Watt University in Edinburgh hat untersucht, wie diese Partikel in die menschliche Nahrung kommen. Unsere Mahlzeiten sind sehr stark von diesen Partikeln verseucht. Aber nur ein Bruchteil der Partikel stammt

aus dem Meer, den Muscheln oder dem Fisch auf dem Speisezettel. Die Nahrungsmittel nehmen die Partikel vor allem durch den Plastikstaub in der Luft auf. Forscher der Medizinischen Universität Wien und des Umweltbundesamtes des Landes

haben acht Probanden aus verschiedenen Kontinenten ein Ernährungstagebuch führen lassen. Alle ernährten sich auch von verpackten Lebensmitteln oder tranken aus PET-Flaschen. Sie aßen auch Fisch; Vegetarier gab es nicht unter ihnen. Nach einer

Woche wurden Darmproben entnommen. Bei allen wurde Mikroplastik gefunden.

 

Bei Tieren wurde Mikroplastik nicht nur im Darm, sondern auch im Blut, Lymphe und Leber nachgewiesen. Größere Studien sollen folgen, um die genauen Zusammenhänge zwischen Ernährung und den Auswirkungen von Mikroplastik auf den

menschlichen Körper zu erforschen. Gleichzeitig warnen die Wissenschaftler vor den gravierenden Gesundheitsschäden,

die durch Chemikalien in den Kunststoffen verursacht werden können. Dazu zählen z.B.: Hormonstörung, Allergien, Übergewicht, Unfruchtbarkeit, Fehlbildungen und vor allem verschiedene Arten von Krebs speziell in den Verdauungsorganen.

Es handelt sich um folgende Chemikalien: Polyvinylchlorid (PVC), das aus Weichmachern (Phthalaten) besteht, Polycarbonat (PC), Bisphenol A (BPA), bromierte Flammschutzmittel. Mikroplastik saugt zudem Schadstoffe wie ein Schwamm auf,

z.B. Weichmacher, das als krebserregend geltende PCB oder das Insektizid DDT. Das bedeutet, wir essen nicht nur Plastik, sondern wir nehmen auch vermehrt weitere Schadstoffe auf. Die Politik hat dieses Problem bisher vernachlässigt. Deshalb ist es notwendig,

binnen kurzer Zeit für Regelungen einzutreten, die auch ein Verbot von Mikroplastik in Putzmitteln und Kosmetikprodukten einschließt.