Forschung: Impfung mit Neoantigenen schützt vor Krebs

Aktualisiert: 24. Sept. 2021

Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum und vom Universitätsklinikum Heidelberg konnten erstmals die Entstehung von erblichem Darmkrebs mit einer Schutzimpfung hinauszögern. Mäuse mit einer erblichen Veranlagung für Darmkrebs überlebten nach Impfung signifikant länger als ungeimpfte Artgenossen. Eine Kombination der Impfung mit einem entzündungshemmenden Medikament steigerte den Schutzeffekt.


Bei den so genannten Mikrosatelliten-instabilen Krebsarten ist ein wichtiges zelluläres Reparatursystem ausgefallen, das normalerweise kleine Fehler im Erbgut korrigiert. Bleiben solche DNA-Defekte unkorrigiert, so kann die gesamte Bauanleitung des Proteins aus dem Takt geraten. Die Zellen bilden dann neuartige Eiweißstrukturen, so genannte Neoantigene, die vom Immunsystem oft als fremd erkannt werden.


Mikrosatelliten-instabile (MSI) Tumoren können spontan entstehen oder als Folge einer erblichen Veranlagung, dem Lynch-Syndrom. Etwa ein Viertel der MSI-Darmtumoren werden durch das Lynch-Syndrom verursacht. Etwa die Hälfte der Betroffenen erkrankt im Laufe des Lebens an Krebs.


"Wir konnten zum ersten Mal in einem lebenden Organismus nachweisen, dass eine Impfung mit Neoantigenen vor Krebs schützt. Besonders vielversprechend ist, dass sich Immunschutz und Prävention mit einem Entzündungshemmer offenbar in ihrer Wirkung ergänzen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Impfung gegen erbliche Krebserkrankungen ein erfolgversprechendes Konzept ist, das wir nun weiter in die klinische Anwendung übertragen wollen“, so die Forscher.


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Gebert J, Gelincik, Oezcan-Wahlbrink M , Marshall JD, Hernandez-Sanchez A, Urban K , Long M, Cortes E, Tosti E, Katzenmaier EM , Song Y, Elsaadi, Deng N, Vilar E, Fuchs V , Nelius N , Yuan YP, Ahadova A , Sei S, Shoemaker RH, Umar A, Wei L, Liu S, Bork P , Edelmann W, von Knebel Doeberitz M , Lipkin SM, Kloor M: Recurrent frameshift neoantigen vaccine elicits protective immunity with reduced tumor burden and improved overall survival in a Lynch syndrome mouse model

Gastroenterology 2021. DOI: 10.1053/j.gastro.2021.06.073


* Kloor et al. Clin Cancer Res 2020, 10.1158/1078-0432.CCR-19-3517


Foto DKFZ:

Das Lynch-Syndrom ist eine erbliche Disposition für frühzeitig auftretenden Darmkrebs