EANU-Basiswissen:

Hodenkrebs

Epidemiologie

Im Jahr 2014 erkrankten in Deutschland etwa 4.070 Männer an Hodenkrebs. Damit gehört diese Erkran­kung mit einem Anteil von 1,6% an allen Krebser­krankungen bei Männern zu den selteneren Krebs­arten.

Im Gegensatz zu fast allen anderen Krebserkran­kungen treten die meisten Fälle in einem vergleichs­weise frühen Alter, nämlich zwischen 25 und 45 Jah­ren auf. In dieser Altersgruppe ist Hodenkrebs der häufigste bösartige Tumor bei Männern. Das mittlere Erkrankungsalter liegt entsprechend bei 38 Jahren.

Die altersstandardisierte Erkrankungsrate blieb zuletzt nahezu konstant, nachdem wie auch in ande­ren europäischen Ländern zuvor über Jahrzehnte ein stetiger Anstieg zu beobachten war. Über 90% der Hodentumoren werden im Stadium T1 oder T2

dia­gnostiziert. Histologisch handelt es sich beim Hoden­krebs überwiegend um Keimzelltumoren, von denen etwa zwei Drittel Seminome darstellen. Bei etwa jeder sechsten Erkrankung handelt es sich um maligne Te­ratome oder Mischformen beider Typen.

Seit der Einführung von cis­Platin in die Chemo­therapie des Hodenkrebses vor gut 30 Jahren gehört die Erkrankung zu den prognostisch günstigsten bös­artigen Neubildungen mit entsprechend hohen rela­tiven 5-­Jahres­-Überlebensraten (zuletzt 96 %) und geringer Mortalität (145 Sterbefälle in 2015).

Risikofaktoren und Früherkennung

Als gesicherter Risikofaktor für Hodenkrebs gilt der Hodenhochstand (Kryptorchismus), auch wenn er adäquat behandelt wurde. Männer, die an Hodenkrebs oder einer Vorstufe erkrankt waren, haben ein erhöhtes Risiko, auch im gesunden Hoden einen Tumor zu entwickeln. Seltene, genetisch bedingte Störungen der Geschlechtsentwicklung, wie das Klinefelter­Syndrom, erhöhen ebenfalls das Erkran­kungsrisiko. Bei einem geringen Teil der Betroffenen liegt möglicherweise eine genetische Disposition vor. Söh­ne und Brüder von Erkrankten haben ein deutlich erhöhtes Risiko.

Auch ein Geburtsgewicht unter 2.500 g oder über 4.500 g sowie Hochwuchs werden als mögliche Risi­kofaktoren diskutiert. Die Ursachen des über mehre­re Jahrzehnte beobachteten Inzidenzanstiegs sind nicht endgültig geklärt. Lebensstil und Umweltfak­- toren spielen nach derzeitigen Erkenntnissen keine Rolle.

Belegt ist, dass eine frühe Diagnose mit einer besseren Prognose korreliert. Jugendlichen und Män­nern wird daher ab dem Pubertätsalter zu regelmä­ßiger Selbstuntersuchung geraten. Ab dem Alter von 45 Jahren haben Männer im Rahmen der gesetzlichen Krebsfrüherkennung einmal jährlich Anspruch auf eine Untersuchung der Geschlechtsorgane.

Quelle: Robert-Koch-Institut